ZIEGLERART

THOMAS ZIEGLER

Zieglers Stil wurde von der Leipziger Schule (Tübke) geprägt. Er malte in altmeisterlicher Lasurtechnik realistische und surrealistische Bilder. Parallel dazu experimentierte er mit anderen Ausdrucksmitteln: Pseudonaivität und narrative Varianten bis hin zum Bilderbogen. Seit seinem Nicaraguaaufenthalt (1987-88) hat er sich bewusst dem Surrealismus zugewandt.

Zieglers Bilder führten immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen. Provokation fand sich in vielen seiner Bilder und gehörte zu seiner künstlerischen Auffassung.

Perestroika und Glasnost - die Veränderungen in der Sowjetunion unter Michail Gorbatschow, wirkten sich auch auf die DDR aus und ihre Funktionäre hatten eine sehr zwiespältige Meinung dazu. Einerseits Respekt vor dem großen Bruder, andererseits Angst vor gründlicher Entstalinisierung und demokratischem Sozialismus. In dieser Situation entstand Zieglers bekanntestes Werk, der Vierteiler "Sowjetische Soldaten 1987". Auf zinnoberrotem Hintergrund sind mit Kohle Holzbohlen gezeichnet. Auf denen sitzen ziemlich wacklig die Soldaten, die durch eine gewollte Proportiosverschiebung etwas Jungenhaftes bekommen. Ein totaler Bruch mit der bisherigen Ikonografie des Sowjethelden. Er malte es 1986 bis 1987 im Eigenauftrag und verkaufte es an den Zentralvorstand der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft. Auf der X. Kunstausstellung in Dresden sorgte das Bild für Aufsehen. Peter Nisbet, der Kurator des Bush-Reisinger-Museums der Harvard University organisierte die erste und einzige Ausstellung von DDR-Kunst in den USA "Twelve Artists from the GDR". Die DDR - Administration, die Zieglers Bild anfeindete, wie die Peristroika selbst, weigerte sich, das Bild in den USA auszustellen. Peter Nisbet bestand aber auf Zieglers Teilnahme andernfalls würde die Ausstellung platzen. Die Ausstellung kam zu stande und wurde erfolgreich in verschiedenen Universitätsmuseen und -galerien der USA gezeigt. Nach dem Zusammenbruch der DDR landete das Bild im Bilderdepot Beeskow.
1987 ging Ziegler für neun Monate nach Nicaragua. Unter seiner Leitung entstanden 40 Bilder für die Kinderabteilung des Hospitals "Carlos Marx". Er arbeitete zusammen mit der Kunsthochschule in Managua, dem Künstlerverband und dem Kulturminister Padre Ernesto Cardenal.
1988 wurde er Mitglied des Zentralvorstandes des Verbandes Bildender Künstler der DDR und Leiter des Projektes "Nicaragua". Er versuchte ein Netzwerk internationaler Künstler aufzubauen. Die Arbeit wurde von der DDR- Administration erschwert, schließlich blockiert und mit dem Zusammenbruch der DDR, Geschichte.
Von 1990 bis 1992 arbeitete er an einem Bilderbuch mit eigenen Texten und Zeichnungen zum Leben Friedrich Nietzsches.
1994 lernte Ziegler den Berliner Maler und Fußmannschüler Reinhard Dickel kennen und begann mit der Pleinairmalerei. Parallel entstand der Zyklus "Odyssee", die letzte figürliche Arbeit Zieglers.
Ab 1995 konzentrierte er sich auf Landschaftliches. Für Ziegler ist das Bild eine ontologische Fläche auf der sich Gesehenes und Gedachtes miteinander vermengen und Surrealität erzeugen. Wichtig ist die Strukturierung dieser Bildfläche.
Bis Anfang der 90iger Jahre dominierte die Zeichnung in Zieglers Bildern, später der farbige Gestus. Jetzt kommt es zu einer Synthese.

Thomas Ziegler in seinem Atelier
KURZBIOGRAPHIE
 
1947geboren in Limbach / Sachsen
1966 -1969Sozialpsychologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
1969 -1974HGB Leipzig, bei Tübke und Kuhrt
seit 1977freischaffender Maler
1978Preis Junge Kunst
1980-90in Schwerin
1987 / 88Arbeitsaufenthalt in Nicaragua.
1990-2004in Berlin.
ab 1994Pleinair-Malerei auf Rügen
2004Umzug nach Rügen
2007-11in Hamburg
seit 2011Netzeband (Vorpommern)
31.12.2014gestorben beim Abendspaziergang in der Silvesternacht, auf einem Feld Nähe Netzeband
 
 
AUSSTELLUNGEN
 
1977Verbot der Ausstellung "Junge Leipziger Maler" im Marktschlößchen in Halle, durch Dr. H. Raum
ab 1977DDR Kunst- und Bezirkskunstausstellungen
1979Junge Künstler der DDR, Esch / Luxemburg
1982XII. Biennale de Paris, Centre George Pompidou
1983 / 84Wettbewerb junger Künstler, Moskau / Berlin
1984Durchblick, Ludwig-Institut Galerie Schloß Oberhausen, Staatliche Kunsthalle Berlin-West
1986Malerei, Grafik und Skulptur aus den Bezirken Schwerin und Rostock, Städtisches Museum Göttingen
198840 Bilder für das Hospital Carlos Marx, ASTC-Galerie, Managua, Nicaragua
1989/90Twelve Artists from the GDR, Busch-Reisinger Museum, Harvard Univ. Art Museum, Cambridge, Massachusetts; Frederick S. Wight Art Gallery, Univ. of California, L.A.; Univ. of Michigan Museum of Art, Ann Arbor; Albuquerque Museum, NM
1992Bandbreite, Hackesche Höfe, Berlin
1998Galerie BBB, Berlin
Goethe-Institut Staufen, Eröffnung durch Ernesto Cardenal
1999Aufstieg und Fall der Moderne, Weimar
2007Landschaften, 17. Landesweite Kunstschau, Kunsthalle Rostock
Unsere Russen - Unsere Deutschen, Schloß Charlottenburg Berlin;
2008Fine Art Hamburg, Deichtorhallen, Hamburg
2009Landschaft 2009, Kunstverein Schloß Wiligrad
60 40 20 Kunst in Leipzig, Museum der bildenden Künste Leipzig
2010Ontologischer Surrealismus, Skulpturenpark Katzow
Landschaftliches, Villa Rosenthal, Jena
2011Maskenbilder, Staatliche Kunstsammlung Dresden
lost + found, Die Gegenwart des Bildes, 21. Kunstschau, Schleswig-Holstein-Haus, Schwerin
verloren und gefunden, KunstStiftung Rügen, Orangerie Putbus
Impressions de paysages, La Tranche sur Mer
2012Surrealismus - Thomas Ziegler zum 65, Skulpturenpark Katzow
Impressions de paysages, La Roche sur Yon
2013Rationalität + Magie, Kunstverein zu Rostock
analog + digital, Landeskunstschau Mestlin
Die andere Landschaft, Galerie Kaleidoskop Usedom (Stadt)
Neue romantische Positionen in MV, Kunsthalle Wrodow
 
 
WERKE IN MUSEEN UND SAMMLUNGEN
 
Museum der bildenden Künste Leipzig, Sammlung Ludwig
Staatliches Museum Schwerin
Sammlung Deutsche Bank, Frankfurt am Main
Freilichtmuseum Schwerin-Mueß
Staatliche Kunstsammlung Dresden - Kunstfonds
Kunstarchiv Beeskow
Museum Junge Kunst Frankfurt (Oder)
KulturStiftung Rügen

WERKE IN PRIVATSAMMLUNGEN

Cape Town, Wien, Jena, Greifswald, Plau a. See, Berlin, Hamburg
La Roche sur Yon

LITERATUR
K.-M. Kober: Thomas Zieglers Selbstbildnis im Atelier, Weimarer Beiträge, Bd, 25, 1979
K. Thomas: Die Malerei in der DDR 1949-1979, Köln, 1980
P. Nisbeth: Twelve Artists from the GDR, Harvard Univ., Busch-Reisinger Museum, 1989
C. Saehrendt: Kunst als Botschafter einer künstlichen Nation, Stuttgart, 2009
Lexikon Künstler in der DDR, Berlin, 2010
Schwerin meine Stadt, Zukunftswerkstatt Schwerin e.V., 2012

Catherine Wilkins, Landscape Imagery, Politics, and Identity in a divided Germany 1968-1989, Ashgate, 2013

FUNK
Deutsche Welle World "Verschwundene Bilder: T. Ziegler"
N. Wojcik, C. Paul, 27.9.2010
RBB Kulturradio: "Verschwundene Bilder"
(Bernhard Heisig, Werner Tübke, Thomas Ziegler, Hartwig Ebersbach, Gerhard Richter) N. Wojcik, 29.9.2010

DOK-FILM
Der Maler Thomas Ziegler, Regie: J. Hellwig, Defa 1988